Geldangelegenheiten selbst zu entscheiden und unabhängig zu sein, das ist zahlreichen Deutschen wichtig. Allerdings unterschätzen sie die relevanten Risiken und ihre Folgen für die eigenen Finanzen. Besonders drastisch zeigt sich dies beim Thema Berufsunfähigkeit, es herrschen Mythen und Halbwissen vor. Viele Bürger gehen davon aus: "Eine Berufsunfähigkeit trifft mich nicht - und selbst wenn, kann ich das finanziell überbrücken". Ein Trugschluss, der oftmals dazu führt sich gegen eine existenzielle Absicherung zu entscheiden.
Financial Freedom Report der LV1871
67,8 Prozent der Deutschen teilen die Ansicht, dass finanzielle Unabhängigkeit eine der drei wichtigsten Freiheiten verkörpert, nach selbstbestimmten Handeln (81,4 Prozent) und Meinungsfreiheit (80,9 Prozent). Diese zu schützen gelingt den meisten Menschen aber eher nicht; das zeigt der fünfte Financial Freedom Report 2025 der LV 1871 Lebensversicherung a. G. Als größte Risiken nennen die Befragten Krankheiten (53,2 Prozent) und Berufsunfähigkeit (37,4 Prozent). "Viele unterschätzen nach wie vor das Risiko einer Berufsunfähigkeit. Dabei stellt Krankheit eine reale Bedrohung für die finanzielle Unabhängigkeit dar", argumentiert Hermann Schrögenauer, Vertriebsvorstand der LV 1871.
Nahezu 44 Prozent würden im Einzelfall auf Ersparnisse zurückgreifen. Doch 52,4 Prozent könnten maximal sechs Monate ohne Einkommen überbrücken und knapp ein Fünftel wisse gar nicht wie lange die eigenen Mittel ausreichen.
Analyse der Zurich Gruppe Deutschland
Eine Analyse von Bestandsdaten der Zurich Gruppe Deutschland legt offen, dass eine Berufsunfähigkeit im Schnitt 93 Monate dauert, d.h. fast acht Jahre.
Hiervon betroffen sind nicht nur Personen mit stark körperlich belastender Arbeit, wie etwa Bauarbeiter, häufig verzeichnet Zurich auch Leistungsfälle bei pädagogischen Fachkräften, medizinischem Personal oder auch kaufmännischen Berufen. "Es sind Berufe mit hoher Verantwortung, ständigem Zeitdruck und einer großen emotionalen Beanspruchung", erläutert Andreas Runkler, Bereichsleiter Produktentwicklung Leben der Zurich Gruppe Deutschland.
Psychische Probleme Hauptgrund
"Der Haupttreiber von Berufsunfähigkeit ist die Psyche", führt Runkler weiter aus. Rund 30 Prozent der BU-Fälle im Markt sind auf diese Ursache zurückzuführen. Es folgen Erkrankungen des Bewegungsapparates und bösartige Tumorerkrankungen mit jeweils rund 20 Prozent.
Versicherte Leistung zu niedrig
Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass meist nur ein ungenügender Versicherungsschutz besteht. Im Jahr 2025 zahlte Zurich im Leistungsfall durchschnittlich ca. € 900 BU-Rente pro Monat aus. "Für ein auskömmliches Leben reicht dieser Betrag in vielen Fällen nicht - insbesondere dann nicht, wenn Berufsunfähigkeit über Jahre andauert, verdeutlicht Runkler.
BU-Rente realistisch wählen
Umso essenzieller ist es, die Höhe der BU-Rente realistisch zu wählen und regelmäßig zu überprüfen. Der Bereichsleiter weiter: "Nach Gehaltserhöhungen oder beruflichen Veränderungen sollte die Absicherung angepasst werden. Die BU-Rente muss zu den individuellen finanziellen Anforderungen passen".
Daumenregel 75 Prozent vom Nettoeinkommen
Als Ansatz zur Berechnung der Rentenhöhe in der Berufsunfähigkeitsversicherung bei Arbeitnehmern gilt die Daumenregel bzw. der Richtwert: ca. 75 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens. Bei Selbstständigen sollten etwa 60 Prozent des Gewinns vor Steuern aus Praxis und Gewerbe nach Abzug aller Betriebskosten und Unternehmenssteuern herangezogen werden.