21 April 2026

Kapitalmarktausblick 2. Quartal 2026

Die nachfolgende Publikation stammt von der Investmentabteilung des Maklerpools Fondsfinanz aus München. Ich bedanke mich bei Fondsfinanz den Beitrag inhaltlich verwenden zu dürfen.


Die Eskalation im Nahen Osten erschüttert die Weltwirtschaft – steigende Energiepreise und ein sich eintrübender Wachstumsausblick stellen sie auf die Probe.


Weltwirtschaft

Der zu Jahresbeginn positive Ausblick für die Weltwirtschaft hat sich durch den Konflikt im Nahen Osten deutlich verschlechtert. Die Energiepreise werden bis zur Aufhebung der Blockade der Straße von Hormus erhöht bleiben. Bei einer anhaltenden Auseinandersetzung wären stark steigende Ölpreise, mit spürbaren Folgen für Inflation und Wachstum wahrscheinlich. Während eine rasche Lösung zunächst unwahrscheinlich erschien, könnte ein neuer 10-Punkte-Plan mittelfristig die Grundlage für eine Entspannung in der Region schaffen. Weltweit deuten Frühindikatoren ein schwächeres Wachstum bei gleichzeitig steigenden Preisen an. Die Chance auf weitere Zinssenkungen hat deutlich abgenommen. Steigende Energiepreise werden die Inflationsrate im Euroraum über 2% anheben.


Aktien

Die Kursrückgänge wie seit dem Kriegsausbruch im Iran sind schmerzhaft, können aber gute

Einstiegsgelegenheiten schaffen, weil sie die langfristig erwartete Rendite erhöht. Der US-Markt liegt wieder näher am langfristigen Bewertungsdurchschnitt, gemessen am Verhältnis von Aktienkursen zu den erwarteten Gewinnen. Entscheidend ist, sich von starken Schwankungen nicht verunsichern zu lassen. Aktien aus dem Energie- und Rüstungsbereich gehörten zuletzt zu den Gewinnern, ihre Kurse sind aber stark durch Angebotsknappheit und Eskalationsängste verzerrt.


Nach dem Ukrainekrieg 2022 folgte auf frühe Gewinne keine anhaltende Überlegenheit. Gleichzeitig sprechen höhere Verteidigungsinvestitionen für Chancen bei europäischen Industrie-, Technologie- und Finanzwerten. Zuvor teure Marktbereiche sind durch Umschichtungen wieder attraktiver bewertet. Besonders US-Technologie ist im Vergleich zum Gesamtmarkt deutlich günstiger als noch im Herbst 2025.


Der steigende Wettbewerbs- und Regulierungsdruck auf Technologiefirmen bleibt jedoch ein Unsicherheitsfaktor. Hingegen lässt der Übergang zu einer Welt mit physisch verankerter künstlicher Intelligenz Unternehmen aus den Bereichen Infrastruktur, Energie, Industrie und Robotik insbesondere in Europa und asiatischen Schwellenländern als Gewinner erscheinen. Ebenfalls ist der Pharmasektor als möglicher KI-Profiteur derzeit ein interessantes Segment.


Anleihen

Früher galten US-Staatsanleihen in geopolitischen Krisen als sicherer Hafen. Es zeigt sich jedoch zunehmend, dass dies nur gilt, solange kein Inflationsschock zu erwarten ist. Der US-Angriff auf den Iran lässt die Inflation steigen und höhere Energiepreise sind Vorboten für weiteren Preisdruck. Statt Zinssenkungen erwarten Marktexperten nun ein stabiles Zinsniveau, sogar Zinserhöhungen können bei anhaltenden Preissteigerungen nicht ausgeschlossen werden. Dies zeigt sich besonders am Kurseinbruch und damit einhergehendem Zinsanstieg bei kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Derzeit liegt der Zins der zweijährigen Anleihen der USA bei 3,8 %, welcher als Gradmesser für die durchschnittlichen US-Leitzinsen der nächsten Jahre gesehen wird. Der anstehende Führungswechsel bei der US- Notenbank Fed macht einen Zinsschritt in den kommenden Monaten unwahrscheinlich. Trumps Wunschkandidat Kevin Warsh muss noch vom US‑Senat bestätigt werden und unterstützt Zinssenkungen nur, wenn sie bei nachlassendem Inflationsdruck geldpolitisch vertretbar sind.


In der Eurozone schlägt das Pendel aufgrund der steigenden Inflation eher Richtung Zinserhöhung, wodurch die Gefahr besteht, das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum durch das Anheben der Zinsen abzuwürgen. Beide Notenbanken dürften sich im zweiten Quartal mit Zinsentscheidungen zurückhalten und vorerst eine höhere Inflation in Kauf nehmen. In den nächsten Monaten sollten vor allem kurzlaufende Anleihen und Geldmarktfonds aussichtsreich sein. Zwar liefern diese keine attraktiven Renditen, würden aber im Falle einer erneuten Eskalation für Stabilität im Portfolio sorgen. Bonitätsstarke Unternehmensanleihen bieten erst bei einer deutlichen Wirtschaftsabschwächung mit höheren Zinsunterschieden interessante Einstiege. Inflationsgeschützte Anleihen erscheinen attraktiv. Anleihen von häufig gering verschuldeten Schwellenländern sind aussichtsreich, jedoch müssen bei diesen Fremdwährungsrisiken beachtet werden.


Rohstoffe und Edelmetalle

Die Edelmetalle Gold und Silber stehen ebenso wie Minenaktien nach den liquiditätsbedingten Verkäufen im März vor einer neuen Aufwärtsbewegung. Der langfristige Aufwärtstrend scheint weiterhin intakt, da sich viele Länder mittels ihrer Notenbanken weiter unabhängiger vom US-Dollar machen wollen und ein Angebotsdefizit herrscht. Auch der Trend hin zu mehr Energieautonomie wird sich in den nächsten Monaten verschärfen, was die Nachfrage nach Silber und anderen Metallen steigern wird, die zum Ausbau erneuerbarer Energien benötigt werden.


Beim Ölpreis hängt die weitere Entwicklung maßgeblich von der Tragfähigkeit des

Waffenstillstands zwischen den USA, Israels und dem Iran ab. Jedoch sollte sich der Ölpreis selbst bei einem dauerhaften Frieden über dem Niveau vor den Angriffen einpendeln. Eine erneute Eskalation würde deutlich höhere Ölpreise zur Folge haben und die Weltwirtschaft massiv belasten.


Fazit

Nach der breiten Rallye zu Jahresbeginn kam es durch den Iran‑Konflikt zum Kurswechsel: Inflationssorgen belasteten Anleihen, Gold gab nach und der US‑Dollar wertete auf. Aktienmärkte weltweit gerieten unter Druck und korrigierten teils um mehr als 10 %. Steigende Energiepreise und knappe Rohstoffe wie Helium verdeutlichen zudem, wie vernetzt und fragil die Weltwirtschaft ist. Solche Abhängigkeiten machen Krisen kaum vorhersehbar. Dennoch kann eine breit gestreute, vorausschauende Geldanlage gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten stabilisieren.