Lebens- und Rentenversicherungen bieten kaum Gewinne
Welchen wirtschaftlichen Verlauf nahmen Lebens- und Rentenversicherungen über ihre tatsächliche Laufzeit? Diese Frage ist Gegenstand einer Studie der SNOW Analytics GmbH, Heidelberg. Sie untersuchte dafür 1.000 Verträge von insgesamt 52 Versicherungsgesellschaften. Die reguläre Laufzeit beträgt im Durchschnitt 21,65 Jahre, demnach liegt der Fokus der Stichprobe auf langfristigen Vertragsverläufen.
Großteil der Verträge mit positivem Bruttoertrag
Die Ergebnisanalyse zeigt anfangs eine positive Entwicklung bei den Verträgen, immerhin liegt bei ca. 84 Prozent der untersuchten Versicherungen die Auszahlung über den geleisteten Einzahlungen. Während der gesamten Vertragsdauer zahlten Versicherungskunden im Mittel einen Betrag von € 43.543,96 ein und erhielten nach Ablauf der Frist € 46.289,67 zurückerstattet. Daraus resultiert ein durchschnittlicher Bruttogewinn in Höhe von € 2.745.71.
Erhebliche Streuung
Die Auszahlungssummen unterliegen jedoch starken Schwankungen, dabei bewegt sich das Bruttoergebnis zwischen einem Verlust von € 164.889,31 und einem Gewinn von € 143.419.37. Während der Mittelwert, wie bereits oben erwähnt, bei € 2.745,71 liegt, beträgt der Median lediglich € 785,27. Damit sind die Durchschnittswerte nicht ohne weiteres auf den individuellen Vertrag anwendbar.
Jährliche Rendite negativ
Der eigentliche Kern der Studienergebnisse erschließt sich jedoch erst, wenn neben Ein- und Auszahlung auch die lange Vertragsdauer und die zeitliche Struktur der Zahlungsströme berücksichtigt werden. Über alle untersuchten Verträge hinweg liegt die durchschnittliche jährliche Rendite - Internal Rate of Return (IRR) - bei -0,077 % sowie der Median bei -0,050 %. So steht dem absolut positiven Bruttoertrag der großen Mehrheit eine im Schnitt leicht negative annualisierte Rendite gegenüber.
Diesen Umstand betrachten die Autoren jedoch nicht als Widerspruch, vielmehr geben die Kennzahlen Antworten auf unterschiedliche Fragen. Der absolute Bruttoertrag bildet lediglich den Zahlungssaldo ab. Dagegen berücksichtigt die IRR zusätzlich, wann die einzelnen Zahlungen innerhalb der Vertragslaufzeit erfolgten.
Inflation verändert das Bild
Unter Berücksichtigung der Kaufkraftentwicklung wächst die Differenz weiter. Die Studie weist für die analysierten Verträge eine durchschnittliche nominale Rendite in Höhe von 10,23 % aus. Dagegen liegt die reale Rendite (CAGR) bei -29,81%, der Median bei -26.72 %. Im Schnitt wird die Inflationsrate während der untersuchten Vertragslaufzeiten mit 1,8893 % pro Jahr angegeben.
Die reale Rendite von 29,81 % ist ein kummulierter Gesamtertrag über die gesamte Laufzeit ohne dass dieser Wert auf ein einzelnes Jahr heruntergebrochen wurde und darf nicht mit der annualisierten IRR von -0,077 % verwechselt werden (dieser rechnet diesen Gesamtertrag mathematisch über den Zinseszinseffekt auf ein durchschnittliches Jahr pro Jahr herunter). Nach Darstellung der Studienautoren ist gerade das Nebeneinander der unterschiedlichen Kennzahlen ein Kernergebnis. Ein nominaler Mehrbetrag bei Vertragsende über einen Zeitraum von durchschnittlich mehr als 20 Jahren führt nicht automatisch zu einem realen Vermögenszuwachs.
Auch bei langen Laufzeiten bleibt die IRR im Mittel negativ
Aufschlussreich ist zudem die Auswertung nach Vertragsdauer. Der durchschnittliche Bruttoertrag p.a. verbessert sich mit zunehmender Laufzeit: von -4,65 % bei Verträgen mit bis zu zehn Jahren auf 2,14% bei Verträgen mit mehr als 30 Jahren. Bei der IRR zeigt sich diese Entwicklung nur teilweise. Zwar verbessert sie sich in Abhängigkeit zur Vertragsdauer ebenfalls, bleibt aber in allen fünf untersuchten Laufzeitgruppen im Durchschnitt negativ. Bei Verträgen mit bis zu zehn Jahren liegt sie bei rund -0,28 %, bei Laufzeiten von mehr als 30 Jahren rund -0,02 %. Auch die kaufkraftbereinigten Renditen sind über alle Laufzeiten hinweg negativ.
Ergebnisse nicht auf den Gesamtmarkt übertragbar
Die Ergebnisse sollten allerdings nicht als repräsentative Bestandsaufnahme des gesamten deutschen Lebensversicherungsmarktes verstanden werden. Die Untersuchung wurde anhand einer Stichprobe von 1.000 Verträgen durchgeführt. Die Studienautoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass sich daraus keine Aussagen über sämtliche Lebens- und Rentenversicherungsverträge oder alle Versicherungsunternehmen in Deutschland ableiten lassen. Auch ein Ranking einzelner Versicherer nimmt die Untersuchung bewusst nicht vor. Abweichungen zwischen Gesellschaften könnten u.a. aus unterschiedlichen Laufzeiten, Abschlusszeiträumen, Beitragsvolumina oder Produktmerkmalen innerhalb der jeweiligen Teilstichproben resultieren, so die Analyse.
Lebensversicherung ist legaler Betrug
Im September 1982 erschien die Broschüre "Versicherung - aber mit Köpfchen", herausgegeben vom Bund der Versicherten e. V. (BdV) und der Verbraucherzentrale Hamburg. Auf Seite 24 war u.a. zu lesen: "Die Lebensversicherung zur Altersversorgung ist" - so ein erfahrener Steuerberater aus München - "ein legaler Betrug". Wie die o.g. Studie zeigt, hat sich daran bis heute nichts geändert. Wer eine renditestarke Geldanlage sucht, die das Kapital vor der Inflation schützt, muss um Lebens- und Rentenversicherungen einen großen Bogen machen. Wesentlich renditestärker und auch flexibler sind langfristig breit streuende Aktienfonds.