15 February 2026

Pleitewelle in Deutschland

Seit Jahren schwankt hierzulande die Konjunktur zwischen Stagnation und Rezession. Im Rahmen der vorgezogenen Neuwahlen zum Bundestag am 23. Februar 2025 machte sich zwar etwas Hoffnung auf einen Aufschwung breit, doch diese ist längst wieder verflogen. Ein knappes Jahr nach dem Amtsantritt der neuen Regierung um Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU macht sich bereits Ernüchterung breit.


Sehr verhaltenes Wachstum für 2026 erwartet

Wirtschaftsforschungsinstitute und führende Ökonomen erwarten trotz großer staatlicher Fiskalimpulse für 2026 nur ein sehr verhaltenes Wachstum. Der Sachverständigenrat Wirtschaft beispielsweise rechnet mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,9 Prozent, die Commerzbank mit einem Plus von immerhin 1,2 Prozent. Es mangelt vor allem an privaten Investitionen.


Geringe Investitionsneigung des Mittelstands

Für Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, ist der erwartete Anstieg des BIP im kommenden Jahr allerdings nur ein Strohfeuer, da nach seiner Meinung Strukturreformen fehlten. „Das ist schade, der Mittelstand hat bessere Rahmenbedingungen verdient“, so Krämer jüngst bei der Vorstellung des Wirtschaftsausblicks der Bank für das Jahr 2026.


Ausdruck der herrschenden Misere ist die niedrige Investitionsneigung zahlreicher mittelständischen Firmen, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden. Laut dem Mittelstands-Panel der Staatsbank KfW haben im vergangenen Jahr nur 39 Prozent der Unternehmen Investitionsprojekte umgesetzt. Dieser Wert liegt nur knapp über dem Rekordtief.


Kampf ums Überleben

Anstatt von einem erhofftem Aufschwung zu profitieren, kämpfen viele Mittelständler ums Überleben, da die durch das Land ziehende Konkurswelle immer mehr Betriebe lahmlegt. In diesem Jahr könnte die Anzahl der Insolvenzen in Deutschland sogar von 25 000 auf bis zu 30 000 klettern. Das erwartet Atradius, ein globaler Anbieter von Kreditversicherungen, Bürgschaften Inkassodienstleistungen und Wirtschaftsinformationen. In diesem Zusammenhang wird die Summe der Forderungsausfälle auf einen Rekordwert von bis zu € 65 Milliarden steigen.


"Deutschland hat strukturelle Schwierigkeiten, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen - und diese werden uns wohl noch eine Weile erhalten bleiben", äußert Frank Liebold, Leiter des Deutschlandgeschäfts bei Altradius. Zu den großen Problemen zählen ausufernde Bürokratie, exorbitante Energie- und Rohstoffpreise, hohe Lohnkosten, schwache Binnenkonjunktur, gestiegenes Zinsniveau, Lieferschwierigkeiten (etwa bei Chips), Handelskonflikte und Zölle sowie geopolitischen Unsicherheiten.


Teufelskreis trifft jeden

Dieser Teufelskreis trifft alle, Probleme und Herausforderungen sind in nahezu jedem Wirtschaftszweig präsent, so Frank Liebold weiter. Besonders in Mitleidenschaft gezogen von der Insolvenzwelle sind die Baubranche, Automobilzulieferer, sowie die Metall- und Stahlindustrie.


Höchster Monats-Insolvenzwert seit 2013

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte kürzlich mit, dass gemessen an der amtlichen Statistik die Unternehmenspleiten im Juli 2025 um 12,3 Prozent auf 2197 gestiegen sind. Das war der höchste Monatswert seit Oktober 2013. Damals wurde die Konjunktur in Deutschland u.a. durch die europäische Staatsschuldenkrise belastet. Als Ursachen für die weiterhin dynamische Entwicklung des Insolvenzgeschehens nennt das Ministerium neben der anhaltend gedämpften gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, gestiegene Kosten, strukturelle Herausforderungen und geopolitische Unsicherheiten.


Der laufende Trend setzt sich fort

Ernüchternd ist zudem der methodisch engere und zeitlich aktuellere Trend dazu, den das Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) dokumentiert. Demnach ist die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften im Oktober vergangenen Jahres um 1553 angestiegen. Das bedeutet fünf Prozent mehr als im Vormonat und lag damit um 68 Prozent höher als in einem durchschnittlichen Oktober der wirtschaftlichen guten Jahre von 2016 bis 2019. Die laufende Entwicklung setzt sich damit fort.


Von zehn der größten Firmenpleiten im Oktober waren knapp 13 000 Arbeitsplätze betroffen. Weiter teilte das IWH mit, dass Schließungen großer Arbeitgeber häufig zu erheblichen und auch dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen Beschäftigten führt. Die vom Institut erhobenen Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen einige Monate vorauslaufen, rechnen im laufenden Jahr weiter mit steigenden Zahlen.


Wer zieht den Karren aus dem Dreck?

Der Löwenanteil für die aktuelle Misere ist hausgemacht, wie etwa hohe Energiepreise, fehlende Energiesicherheit, ausufernde Bürokratie, höchste Abgaben- und Steuerlast weltweit. Sie sind den regierenden Parteien der letzten Jahrzehnte zuzuschreiben. Haben Sie schon einmal erlebt dass derjenige, der den Karren in den Dreck gefahren hat ihn auch wieder rauszieht? Sicher nicht. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder die Wirtschaft fährt völlig gegen die Wand oder es kommt zu einem radikalen Wechsel. Der Wähler hat es in der Hand.

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