7 February 2026

Riesige Wette auf KI in den USA

Das Wachstum der US-Wirtschaft hängt aktuell, und vermutlich auch in naher Zukunft, gänzlich von den Billionen-Investments der Tech-Riesen für KI-Datenzentren ab. Künstliche Intelligenz wird gehypt als magische Lösung, birgt damit allerdings auch systemische Risiken.


Jeff Bezos über KI-Hype

Kürzlich sprach Amazon-Gründer Jeff Bezos auf einem Tech-Forum. Für seine Zuhörer gab es eine gute und eine schlechte Nachricht. "Das ist so etwas wie eine industrielle Blase", so Bezos über den KI-Hype. "Es wird eine Korrektur geben, irgendwann wird es einen Einschnitt geben, einen Rücksetzer". Aber keine Sorge, solche Blasen "können sogar etwas Gutes haben: Wenn sich der Staub gelegt hat und die Gewinner feststehen, profitiert die Gesellschaft von ihren Erfindungen."

Der KI-Hype eine Blase - aber eine gute Blase? Ähnlich äußerte sich auch der OpenAI-Gründer Sam Altmann: " Sind die Investoren derzeit zu euphorisch, wenn es um KI geht? Ja, ganz klar", sagt Altmann. "Ist KI trotzdem das Wichtigste, was seit Langem passiert ist? Ebenfalls ja."



Spekulationswelle

Mittlerweile bezeichnen nicht nur zwei Schwergewichte der Tech-Welt den wichtigsten Trend ihrer Branche klar als eine Spekulationswelle. Für "vergleichbar mit dem Höhepunkt der Dotcom-Blase" hält selbst die Bank of England die Kurse an den US-Börsen: "Die Bewertungen der Aktienmärkte scheinen massiv überzogen, besonders bei Tech-Firmen mit Fokus auf KI", schreiben die britischen Zentralbanker. "Angesichts ihrer zunehmenden Bedeutung für die Marktindizes besteht an den Börsen großes Rückschlagspotential, sollten sich die hohen Erwartungen an die wirtschaftlichen Auswirkungen von KI nicht einstellen."


Platzt die Blase?

Die Gefahr auf einen großen Crash ist nicht von der Hand zu weisen, denn nahezu ein Drittel des gesamten Börsenwerts der 500 größten US-Firmen hängt an den Tech-Giganten. Wenn also die Blase platzt, droht den Investoren eine gewaltige Kapitalvernichtung. Die KI-Optimisten argumentieren, dass dies den Rest der Wirtschaft kaum interessiere da die gebauten Rechenzentren anderweitig benötigt werden, auch wenn eventuell dabei die jetzigen Besitzer pleitegehen. In der Praxis gestaltet sich das allerdings nicht so einfach.


Keine Börsenblase mehr

Beim KI-Boom handelt es sich schon längst nicht mehr um eine reine Börsenblase und sollte sie platzen "wird es richtig schlimm, und nicht nur für Leute in der KI", so Tech-Pionier Jerry Kaplan. "Es wird den Rest der Wirtschaft in den Abgrund ziehen." Laut Schätzungen der Investmentbank JP Morgen bescherten Investitionen in diesem Bereich der US-Wirtschaft im ersten Halbjahr 2025 über ein Prozent Wachstum. Nach Aussage des Harvard-Ökonomen Jason Furmann haben sie sogar für 92 Prozent des gesamten US-Wachstums in diesem Zeitraum gesorgt.


KI kaschiert massive Probleme

Die Euphorie kaschiert massive Probleme, denn das Jobwachstum ist wacklig, gleichzeitig zieht die Inflation an und das Verbrauchervertrauen ist im Keller. Außerdem gilt es zu bedenken, dass der volle Kostenschock des Trump`schen Handelskriegs noch nicht vollständig in der

US-Wirtschaft angekommen ist. Die US-Regierung schiebt einen gigantischen Schuldenberg vor sich her, der akut einsturzgefährdet ist.

Womöglich wären die Vereinigten Staaten ohne den Boom im KI längst in die Rezession abgeglitten. Die Schuldenquote liegt heute so hoch wie seit dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Manche Analysten glauben trotzdem, dass das Land mühelos aus seinen Verbindlichkeiten herauswachsen wird, sobald der KI-Ausbau einen Wirtschaftsboom auslöst. "KI muss für die USA liefern - sonst bricht der Wirtschaft und den Märkten das einzige Standbein weg, auf dem sie derzeit noch stehen". warnt allerdings Fondsmanager Ruchir Sarma vom Investmentgiganten Rockefeller in der "Financial Times".



KI-Ausbau bisher aus Portokasse bezahlt

Der Boom scheint auf den ersten Blick stabil, denn die Technologiekonzerne haben den Ausbau bisher aus der Portokasse beglichen. Die Gewinne von Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft beliefen sich im vergangenen Jahr zusammen auf rund eine halbe Billion Dollar. Und trotz Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe verbleibt noch eine ausreichende Kapitaldecke.

Ein Ende der Fahnenstange ist nicht absehbar und die Investitionen in dieses Segment werden sich weiter verdichten. Sam Altmann und Mark Zuckerberg, Vorstandsvorsitzender von Meta, sprechen wie selbstverständlich von Billioneninvestments, als wäre es lediglich eine Nebensache.



Ein Blick in die Geschichte

Ein Blick in die Geschichte zeigt, jede historische Erfahrung spricht dagegen, dass Amerikas Wette auf KI ungebrochen weitergeht. Bei keinem Boom in der Vergangenheit gab es einen stetigen Aufwärtstrend und allein schon physikalische Engpässe, wie Stromversorgung, Elektrizitätsnetze und Kühlung der Serverfarmen setzen dem Hype Grenzen. Alle diese Faktoren lassen sich nicht über Nacht auf den erforderlichen Stand bringen. Wie stark wird das die Euphorie beeinflussen? Noch befinden sich die Investoren in einer Art kollektivem Wahn, der bei allen Investmentblasen in einem bösen Erwachen endete.


Was müssen ETF-Anleger beachten?

Passive Indexfonds (ETFs) erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die Funktionsweise dieser

Anlageinstrumente ist einfach, denn sie bilden ein Index nach. Großer Beliebtheit erfreut sich beispielsweise der MSCI World, in dem sich rund 1300 Aktien aus 23 Industrieländern befinden. Das klingt theoretisch nach einer breiten Streuung. Da jedoch die Gewichtung der einzelnen Werte nach Marktkapitalisierung erfolgt, besitzen die Tech-Riesen einen großen Anteil. Es kommt zum sog. Klumpenrisiko, d.h. wenn diese Werte in die Knie gehen ist Performance im gesamten gefährdet. Sie suchen Alternativen - dann kontaktieren Sie mich.


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